Auch Radio Corax hat bei der Gala im Volkspark in Halle Preise abgeräumt
Zu den raumgreifenden Tönen des Halleschen Saxophonisten Bernd Born verstummten am Freitag in Halles Volkspark alle, die sonst viel zu sagen haben. 300 Gäste aus der bunten Bürger-Medienlandschaft Mitteldeutschlands waren in das ehemalige Arbeiter-Volkshaus im Norden Halles gekommen. Hier, wo sich ehemals die USPD gründete, wo Arbeiter-Tanzklubs sich zu Hause fühlten – hier, wo später die Reformer des Herbstes 89 diskutierten – an diesem Ort ging am Freitag eine neue Zukunft des Hauses auf: Medien und Kunst könnte das Konzept der Zukunft sein.
Anlass war die einmal im Jahr stattfindende Gala für die Macherinnen und Macher der Bürgermedien des Dreiländer-Bundes Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Und dass Medien nicht nur Ländergrenzen spielend unsichtbar machen, sondern auch Barrieren abbauen zwischen den Menschen, die in diesen Ländern wohnen – das wurde deutlich im großen Saal des Volksparks. Zum fünften Mal fand in Halle die Verleihung des Bürgermedienpreises statt. Dieser Preis ist eine jährliche Würdigung von ehrenamtlichem Engagement in den nichtkommerziellen Medien der drei Länder. Ob Erprobungskanal, nichtkommerzielles Lokalradio oder Offener Kanal – allen gemein ist, dass in diesen Sendern ganz ohne Bezahlung Menschen Themen und Probleme diskutieren und vorstellen, die ihnen wichtig sind.
Aus den fast 200 Einreichungen wurden von der fünfköpfigen Fachjury aus Vertretern der einzelnen Bundesländer am Freitag die Gewinner-Beiträge präsentiert. Albrecht Steinhäuser (Vorsitzender der Versammlung der Medienanstalt Sachsen-Anhalt - MSA), Jochen Fasco (Direktor der Thüringer Landesmedienanstalt - TLM), Carmen Rosenthal (Vorsitzende der Versammlung der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien - SLM) und Dr. Michael Schneider (Staatssekretär und Bevollmächtigter des Landes Sachsen-Anhalt beim Bund) ehrten die Gewinner auf großer Bühne.
Die gläserne Trophäe für den besten Beitrag im Fernsehbereich bekamen Schüler der Latein-AG des "G.-E.-Lessing-Gymnasiums" Kamenz für ihren Beitrag „Saxa Loquuntur – Steine sprechen“ – ausgestrahlt im SAEK Bautzen. Den Preis für den besten Radiobeitrag erhielt Evelin Liebold vom SAEK Zwickau für ihr Feature „Leben mit Borderline“.
Die Bürgermedien stehen auch für Experimente mit dem eigenen und im eigenen Medium. Für einen innovativen Umgang mit sorbischem Rap unter dem Titel „Preco dale“ (deutsch: immer weiter) gewann Istvàn Kobela vom SAEK Bautzen den ersten Platz - das beste Experiment im Bereich Hörfunk gelang Ralf Schneeberger von Radio CORAX, der gemeinsam mit geistig Behinderten dem Traum vom großen Geld nachging: "Wer wird Millionär?" heißt die berührende Reportage einer Annäherung an die bekannte Fernsehshow und ihren Moderator.
Die Länderpreise erhielten im TV-Bereich Robert Schwabe vom SAEK Görlitz für seine Untersuchung "Problemkind Görlitz", Tom Dippmar und Maren Kießling vom OK Wettin für „Biotop Bushaltestelle“ und „Die Kissenschlacht“ sowie Falk Müller vom OK Gera für seine "Pfannkuchentheorie".
Im Bereich Radio ging der Länderpreis für Sachsen-Anhalt an Theresa Augustin von Radio CORAX aus Halle für ihre Spurensuche zum „Wahlbetrug 1989“, für Sachsen an Sven Class für seinen Beitrag über „Die zentrale Hinrichtungs-Stätte der DDR in Leipzig“ – ebenfalls eine vorsichtige Annäherung an DDR-Realität. Noch weiter in die eigene Vergangenheit schaute Lutz Balzer aus Erfurt auf der Suche nach seinen jüdischen Vorfahren. Für diesen Beitrag: "… dann sind wir eben fort" erhielt er den Länderpreis für Thüringen – die Sendung wurde ausgestrahlt beim Offenen Kanal Wartburg Radio 96,5 in Eisenach und im Offenen Kanal Radio Funkwerk Erfurt.
Außerdem wurde durch die Jury der Sonderpreis zum Thema „Superwahljahr 2009" im Bereich Hörfunk sowie Fernsehen vergeben. Das Preisgeld in Höhe von je 500 EUR wurde von der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft aus Leipzig zur Verfügung gestellt und ging beim Fernsehen an Johannes Pfund vom Offenen Kanal Salzwedel für seine Verortung von „Salzwedel in Europa“. Im Radio holten sich die F.R.E.I. Sprecher vom Radio F.R.E.I. Erfurt den Sonderpreis für ihre Forderung: "Mitbestimmung! Wir Kinder reden mit!"
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