250 Neonazis marschieren durch Halle-Neustadt
Zwanzig Jahre Mauerfall geben Grund genug zum Feiern. Für die "Jungen Nationaldemokraten" boten sie am Samstagnachmittag den Anlass für einen Aufmarsch durch Halle-Neustadt. Rund 250 Anhänger der Nachwuchsorganisation der neonazistischen NPD hatten sich gegen Mittag vor dem Neustädter Tunnelbahnhof versammelt. Die Veranstalter sprachen gar von bis zu 400 Teilnehmern. Gegen Mittag setzte sich der braune Aufzug unter dem Motto "20 Jahre Mauerfall – Wir sind das Volk" in Bewegung. An seiner Spitze laufen jugendliche Neonazis mit schwarzen Fahnen, auf denen Städtenamen aufgedruckt sind. Die meisten Versammlungsteilnehmer sind von außerhalb angereist. An dem Aufmarsch nahmen Neonazis Sachsen-Anhalt, Sachsen, Brandenburg, Berlin und Niedersachsen teil.
Das Fronttransparent mit Demo-Motto und JN-Logo wurde von Leipziger JN-Aktivisten getragen. Sie entstammen dem Personenkreis, der sich für die braune Demo am 17. Oktober in Leipzig-Sellershausen verantwortlich zeichnete. Der Aufmarsch wurde seinerzeit vorzeitig von Anmelder und Polizei aufgelöst. Die Beamten leiteten gegen alle 1349 Ermittlungsverfahren wegen schwerem Landfriedensbruch ein. Der damalige Anmelder und Versammlungsleiter Tommy Naumann trat in Halle als Ordner in Erscheinung.
Im Gegensatz zu Leipzig konnten die Neonazis in Halle ihren Aufmarsch weitesgehend ungestört durchführen. Während einer Zwischenkundgebung versuchte ein Gegendemonstrant den Redner zu attackieren, wurde aber bei dem Versuch von Neonazis zu Boden gerissen und von der Polizei aus der Versammlung entfernt. Auf die anwesenden Pressevertreter waren die JN-Anhänger nicht gut zu sprechen. Vor allem Fotografen und Kameraleute wurden bei der Arbeit behindert. Neben zahlreichen verbalen Beleidigungen versuchten einige Ordner mehrfach, ihnen unliebsame Journalisten zu Boden zu schubsen. Die Reaktion der eingesetzten Beamten fiel erschreckend aus. Die Einsatzleitung gab denen, die das Grundrecht auf Pressefreiheit abschaffen möchten, Recht und verbannte alle Medienvertreter hinter die Polizeiketten.
Patrick Limbach
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