Ab 23. Mai öffnet das Museum wieder für Besucher. Die Ausstellungsfläche wurde vergrößert. Möglicherweise muss ein Bolzplatz für Parkplätze weichen.
(sts/ens) Die Eröffnung des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle (Saale) rückt immer näher. Am 23. Mai öffnet das Museum im Giebichensteinviertel nach anderthalb Jahren Bauzeit wieder seine Pforten. Laut Museumsdirektor Harald Meller war die Sanierung dringend geboten, wurde das 1918 erbaute Gebäude doch zu DDR-Zeiten erheblich vernachlässigt. So regnete es zum Dach herein und auch die alte Heizungsanlage reichte nicht mehr aus, um das Gebäude richtig zu beheizen.
Die Hüllen an dem markanten Bauwerk sind schon gefallen, die Außenfassaden erstrahlt hell. Und auf ähnliche Veränderungen können sich die Besucher auch im Inneren freuen. So wird das Landesmuseum weitläufiger, die Ausstellungsfläche wurde auf über 1.000 Quadratmeter erweitert. Die Wiedereröffnung des Museums nach den umfangreichen Sanierungsarbeiten wird mit der neuen Dauerausstellung zum Paläolithikum, Mesolithikum, Neolithikum und zur Frühbronzezeit beginnen und dabei die gesamte obere Etage für das Publikum öffnen. Herzstück ist die 3.600 Jahre alte Himmelsscheibe von Nebra Die beiden unteren Etagen werden bis Ende 2012 nach und nach in die Dauerausstellung integriert und der Öffentlichkeit präsentiert. Jedes Jahr, so hofft man am Museum, soll ein Veranstaltungsteil fertig sein. Am Ende soll dann die Geschichte bis ins Mittelalter erlebbar werden. Und das es interessant werden wird, das offenbaren bereits erste Einblicke. Besucher können in das Leben der ersten Menschen Mitteldeutschlands eintauchen und auf Entdeckungsreise zu den Wurzeln der europäischen Menschheitsgeschichte gehen. Das stein- und bronzezeitliche Leben wird mit wilden Höhlenlöwen, imposanten Mammuts, nachdenklichen Neandertalern, Schamanen und Totenkammern nachgezeichnet. Ergänzt werden soll das sanierte Museum um einen Merchandising-Shop und ein Café mit Außenanlagen.
Hinzugekommen ist aber auch ein Neubau. Eigentlich sollte dieser bereits zu Beginn des vergangenen Jahres fertig sein, aber die Pleite einer Baufirma hatte dies verzögert. Nun ist es aber geschafft. Auf 860 Quadratmetern bietet der Neubau 20 Mitarbeitern in sehr hellen, von Tageslicht durchfluteten Räumen die Möglichkeit in vollem Umfang zeitgemäß restauratorisch tätig zu werden. Für rund eine Million Euro wurde ein Gebäude geschaffen, das neben Büros auch chemische Labore und Arbeitsstätten für großformatige Exponate ermöglicht. Im Ausweichquartier in Trotha war alles sehr provisorisch, nun stehen den Mitarbeitern moderne Technik und Maschinen in vollem Umfang zur Verfügung. So kann zum Beispiel endlich auch der Infrarotspektograf verwendet werden. Analytisches und gutes Restaurieren ist nun wieder möglich.
Gesucht wird noch immer nach einer Lösung für das Parkplatzproblem. Immerhin stellt am Wochenende die Arbeitsagentur ihre Parkplätze – etwa 70 - dem Museum zur Verfügung. Doch dies kann bei Weitem nicht reichen. Deshalb sollen im Umfeld auch weitere Parkplätze entstehen. Wo, das ist noch unklar. Im Gespräch sind das Infozentrum an der Fährstraße und das Zoo-Parkhaus. Auch der jetzige Bolzplatz am Rosa-Luxemburg-Platz wurde in die Überlegungen mit einbezogen. Auch diese Fläche könnte Parkplätzen weichen müssen. In unmittelbarer Nähe soll aber der Bolzplatz neu entstehen.
Und auch das Umfeld wird umgestaltet, die Gehwege rund um das Museum sollen eine Aufwertung erfahren. Daneben entsteht am Rosa-Luxemburg-Platz der neue „Ur-Sprünge“-Spielplatz mit zwei thematischen Spielbereichen. Entstehen soll ein Pfahldorf mit Wohn-, Koch- und Töpferhütten sowie ein Ausgrabungsfeld, in dem die Kinder selbst nach kleinen Fundstücken - unter anderem der Himmelsscheibe - graben können. Die Kosten von 40.000 Euro konnten komplett durch Spenden aufgebracht werden. Weil der Bau durch den Eigenbetrieb für Arbeitsförderung und die Jugendwerkstatt Frohe Zukunft erfolgt, kann das Projekt auch relativ günstig gebaut werden. Weil für den Bau Bäume gefällt werden mussten, gab es in den vergangenen Wochen Kritik von Umweltschützern an dem Projekt.
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