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Halle (Saale), 01:20 Uhr Drucken : Empfehlen : Kommentar schreiben/lesen (154)

Proteste gegen Bibliotheks-Kürzungen

Themen: Stadtbibliothek Finanzen

Oberbürgermeisterin will Zweigbibliotheken schließen, Zuschüsse sinken um über 600.000 Euro

(ens) 2,6 Mio. Euro an Zuschüssen erhält die Stadtbibliothek Halle (Saale) momentan. Künftig sollen es - so lautet zumindest der Vorschlag auf einer Kürzungsliste der Verwaltung, die HalleForum.de vorliegt - 621.400 Euro weniger sein. Die Lesekultur soll damit einen erheblichen Anteil an dem städtischen Sparpaket haben. Vor der Schließung stehen alle Zweigbibliotheken und die Fahrbibliothek, die Musikbibliothek soll mit in die Zentralbibliothek umziehen.

Mit einem offenen Brief hat sich Wolfgang Kupke (CDU) jetzt an Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados, Kulturdezernent Hans-Jochen Marquardt und seine Stadtratskollegen gewendet. Denn machbar ist diese Kürzung auf Kosten des Personals. 90.000 Euro zahlen demnach die drei Stadtbibliotheken und die Fahrbibliothek im Jahr. 35.000 Euro davon fließen an die Stadt als Mietzahlungen an das ZGM zurück. Die restliche Summe könne deshalb nur durch die Entlassung von Mitarbeitern erfolgen, so Kupke. Seinen Berechnungen zufolge stehen 13 Vollzeitstellen auf der Kippe.

Doch: die von der Schließung bedrohten Bibliotheken verfügen gar nicht über diese Mitarbeiterzahl. Und so scheint es unumgänglich, dass es auch in der Zentralbibliothek am Hallmarkt zu Personalreduzierungen und einer weiteren Reduzierung der Öffnungszeiten kommen wird.  „Die Schließung aller Zweigbibliotheken  kann doch nicht ernsthaft unsere Position sein“, so Kupke. Eine derart radikale Kürzung einer Kultureinrichtung stände in keinem angemessenen Verhältnis zu den Ausgaben für die Theater in der Saalestadt. „Vergessen wir nicht, dass auch die Stadtbibliothek eine wichtige Kultur- und Bildungseinrichtung ist.“ Kupke führt dabei 53 Kooperationsvereinbarungen mit Kindergärten und Schulen zur Leseförderung an. Auch seien steigende Zahlen bei Entleihungen und Besuchern zu verzeichnen. Im letzt Jahr kamen 71.000 Hallenser in die Zweigbibliotheken und die Fahrbibliothek, 300.000 Bücher, Cds, Hörspiele wurden ausgeliehen.

Kritik übt Kupke vor allem an der Informationspolitik der Stadt. Diese hatte zwar die Streichliste herausgegeben. Doch weitere Details bekamen die Stadträte nicht. Und so befürchtet Kupke bereits die Vorgehensweise, die bei immer mehr Entscheidungen in Halle Einzug hält: die Stadt bringt die brisanten Fakten erst als Tischvorlage in die Sitzung ein, die Räte haben keine Vorbereitungszeit. Auch im Bürgerforum in Halle-Neustadt war die drohende Schließung ein Thema. Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados musste sich diesem stellen und verwies darauf, dass es sich lediglich um Vorschläge handele. Entschieden sei aber noch nichts. Bibliotheken seien wichtig, sagte das Stadtoberhaupt. Aber man müsse auf die Kosten achten und diese optimieren.

Insgesamt wurden in der Stadt seit der Wende 17 Zweigbibliotheken geschlossen. Mit dem Carl-Schorlemmer-Ring folgte 1992 die erste, ein Jahr später kamen Senffstraße, Paracelsusstraße, Dieskauer Straße, Freiimfelder Straße, Merseburger Straße, Hanoier Straße, E.-Grieg-Weg und C.-David-Friedrich -Weg dazu. Nach einigen Jahren Ruhe wurden 1997 die Zerbster Straße und die Eislebener Straße geschlossen. 2003gab es die letzte Schließungswelle, als Schafschwingelweg, Am Treff, Wittenberger Straße, Lessingstraße, Böllberger Weg und Göttinger Bogen ihre Pforten schließen mussten. Damals wurden 26 Mitarbeiter entlassen.

Und schon jetzt ist die Stadtbibliothek von Einsparungen betroffen. Weil die Mittel wegen der Haushaltssperre nur noch verzögert freigegeben werden, fehlen der Bibliothek Gelder für Neuanschaffungen (HalleForum berichtete).

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17.11.2008

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