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Halle (Saale), 26.03.2007 14:45 Drucken : Empfehlen : Kommentar schreiben/lesen (23)

Darf man denn das?

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Premiere von "Opferpopp" am Thalia Theater Halle

Eines der bewegendsten Momente der Inszenierung: zum Schluss aufgereiht , breitet sich bei zunehmenden Schlussapplaus in den sichtlich erschöpften Gesichter ein Leuchten aus. Die Anspannung weicht einem Glücklichsein und man will all diese Jugendlichen in den Arm nehmen und ihnen ein Stück von dem geben, was sie zuvor eindringlich eingefordert hatten - Aufmerksamkeit und Liebe.

Bis dahin kämpfen, schreien, schlagen fluchen und leiden die Darsteller - überwiegend Laien aus der Silberhöhe - zwei Stunden lang ( dennoch keineswegs langatmig ) auf der großen Thalia - Bühne.

Hier findet kein Skandal, wie leicht-sinnig und süffisant die Journaille ankündigte, statt.
Hier schafft sich eine Generation mit uneitler Authentizität Gehör, die seltenst von Berufsdarstellern erreicht wird
Die Geschichte ist schnell erzählt: ein Jugendlicher nagelt seinen Versager-Vater an ein Kreuz und macht ihn zur öffentlichen Person, die eine ungewollte Provokation für die Unwelt darstellt.

Warum ?

Der Vater ist unnütz geworden. Diese Generation hat versagt. Sie sind nur noch mit ihrer eigenen Unzulänglichkeit beschäftig, von niemanden mehr gebraucht und ihren Kindern nur noch Last in ihrer Lethargie. Erzogen mit Gewalt und die als Ausdruck von Liebe annehmend, geben sie nun diese “Liebe” weiter und die Saat geht mangels Alternativen auf.

Regisseur Mirko Borscht schafft verschiedene stereotype Figuren, die bis zur Schmerzgrenze immer wieder aufeinander losgehen. Oft hält man die hysterischen Exzesse aus, manchmal erkennt man die Absichten und ist ob der Längen verstimmt.

Hier scheint jede Brücke abgerissen und kein Leuchten am Horizont. Und dennoch: im Sterben, ob im eigenem oder erduldenden fremden, werden Seelen weich und die Schale wird brüchig und könnte doch Hoffnung bringen, aber das muss das Leben schaffen, sonst bleibt nur am Ende nur das Jammern.

Der Regisseur erliegt am Stückende einer weit verbreiteten Bildersucht und kommt einfach nicht zu Potte. Ja, auch Beethoven hat unzählige Schlusstableaus "notiert" ehe man gehen kann, aber dadurch rutschen die Jugendlichen in den Hintergrund und ein bisschen Sozialkitsch macht sich breit.
Borscht versucht sich selbst noch zu kontern, zu spät.

Nicht zuletzt zu erwähnen die Leistung von Thalia Mimen Christian Bayer, der das Stück als Conferencier Olaf D. Obst kommentiert, ironisiert, weitertreibt und zusammenhält. Sternchen !

Chapeau dem Ensemble und dem Theater !

Prädikat: Ansehen - auch für P40

( beim Verlassen des Theaters hörte ich erste kontroverse radikale Meinungen unter den jungen Zuschauern aufeinanderprallen. Also es geht doch!)


 

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