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Halle (Saale), 21.02.2008 21:15 | admin |

Friedrich-Ebert-Stiftung

Gesprächsbedarf nach Tagung

Halleforum.de / Halle Saale
Die Jugendhilfe in Halle wird seit dem Jahr 2006 umgebaut. Grundlage dafür ist ein Rahmenkonzept, das von der Start gGmbH erarbeitet wurde. Mit diesem Fachkonzept, welches eigentlich Effizienzsteigerungen und Kostenersparnisse bringen sollte, begann der Streit um den sogenannten "Halleschen Weg"
Die Jugendhilfe in Halle wird seit dem Jahr 2006 umgebaut. Grundlage dafür ist ein Rahmenkonzept, das von der Start gGmbH erarbeitet wurde. Mit diesem Fachkonzept, welches eigentlich Effizienzsteigerungen und Kostenersparnisse bringen sollte, begann der Streit um den sogenannten "Halleschen Weg". Bundesweit geriet Halle mit einer Dienstanweisung negativ in die Schlagzeilen. Kinder aus Heimen sollten wieder zurück in ihre Familien geschickt werden – aus Kostengründen. Erst nach massiven Protesten nahm nahm Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados diese Anweisung zurück. Am Donnerstag Vormittag nun war der "Hallesche Weg" Thema einer spannenden Tagung der Friedrich-Ebert-Stiftung in der Händelhalle.

Oberbürgermeisterin Szabados betonte in ihrer Eröffnungsrede, dass das neue Fachkonzept notwendig sei. Dem stimmte Katharina Brederlow vom Jugendamt Halle (Saale) zu und führte aus, das die bisherige Jugendhilfe, zum Beispiel des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD), eher der Arbeit der Feuerwehr glich als präventiver Arbeit, oder wie es auch genannt wird: proaktiv. Proaktiv ist eines der hauptsächlichen Schlagworte des Morgens. Sozialraumorientierte Arbeit sei dies, erklärte Brederlow. Und damit ist Sozialraumorienterte Arbeit auch lebensweltorientierte soziale Arbeit. Brederlow betonte, dass die zur Verfügung stehenden Instrumentarien gut seien, und die neuen Methoden eben "proaktiv". Aber das Ergebnis - und da wurde sie von vereinzelten Klatschern bestärkt - sei eine gute Arbeit. Sie betonte aber auch, dass die Erwartung, durch die Umstruktierung schnelle Erfolge erzielen zu können, nicht erfüllt werden kann. Vielmehr hätten sie und das Jugendamt das Gefühl gehabt, dass die Freien Träger den Prozess boykottiert haben. Brederlow schloss mit einem kurzen Fazit: "Das neue Konzept bringt eine Sozialarbeit, die weg von einer schnellen Eingreiftruppe hin zum Mitgestalten geht."

Den Ausführungen von Katharina Brederlow wollte Sven Weise, stellvertretender Vorsitzender der Liga der Freien Wohlfahrtspflege der Stadt Halle (Saale), nicht folgen. Er stellte anstatt des früher gepflegten Miteinanders neuerdings eine aktiv gepflegte Hierarchie im Jugendamt fest. Und dies führe zu teilweise offenem Widerstand bei Freien Trägern, so Weise. Das so gelobte Fachkonzept müsse nicht nur das WAS hervorheben, sondern auch das WIE. Für ihn stelle sich mittlerweile die Frage, ob es vor dem Fachkonzept eine gute Arbeit gegeben habe. Und er wehrte sich gegen die Darstellung in der Öffentlichkeit, das freie Träger aus rein monetären Gründen handeln würden. Auch wurden Träger als Heimmafia "kriminalisiert". Vielmehr sei es doch so, dass durch das Konzept ein Zustand Null geschaffen und die jahrelange Zusammenarbeit ausgeblendet wurde. Er betonte, das Freie Träger nicht nur teilnehmen sondern auch teilhaben wollen.

In der anschließenden Diskussion kamen die Dispute zum Teil offen zur Sprache. So wurde genannt, dass die Arbeit der letzten Jahre bereits "sozialraumorientiert" gelaufen sei. Auch die neuerdings geforderte präventive Arbeit sei schon immer das Ziel gewesen. Eine Diskutantin drückte den Disput so aus: "Man kann reden und sich trotzdem nicht verstehen." Ines Brock forderte in ihrer Wortmeldung mehr Transparanz und Steuerungsmöglichkeiten für die Freien Träger. Das Fachkonzept müsse auch als etwas prozesshaftes, als etwas in Bewegung befindliches begriffen werden. Vielmehr sei es doch aber derzeit so, dass einige Jugendpflegerinnen 30% ihrer Arbeit in Sitzungen zubringen und nicht mehr mit den Jugendlichen arbeiten. Dieser Kritik schloss sich Johannes Herwig-Lempp an und erneuerte seine in den letzten Monaten geäußerten Kritikpunkte. Er bemängelte unter anderem, dass eine proaktive (präventive) Arbeit geleistet werden soll, aber gleichzeitig für diesen Bereich das Geld gekürzt werde. Das Fachkonzept sei aber auch gegen die Stimmen der Liga der freien Wohlfahrtspflege und von Fachleuten beschlossen wurden. Wichtig seien dabei nur die Kostenersparnisse gewesen. Die Situation benötige mittlerweile jemanden der moderiert, "und er muss keine 240.000 Euro kosten". Da könne auch kein Hochschullehrer kommen und sagen: "so macht ihr das". Es sei nun der offene Dialog zwischen allen Beteiligten nötig.

Und das war eines der Ergebnisse der Tagung. Der "Hallesche Weg" leidet derzeit am fehlenden Dialog. Doch dieser kann nach der Tagung wohl eingeleitet werden, da zeigten sich beide Seiten positiv angetan. Doch muss ein Umdenken stattfinden - auf beiden Seiten.

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