Donnerstag, 17. Mai 2012
Halle (Saale), 15.04.2008 11:40 | eseppelt |
Bachkomposition
Sensationsfund in Halle (Saale)
Als ein Leipziger Auktionshaus den Nachlass des Leipziger Thomaskantors Wilhelm Rust anbot, war für die beiden halleschen Musikwissenschaftler Dr. Michael Pacholke und Stephan Blaut schnell klar: die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sollte hier mitbieten. Gemeinsam mit Kathrin Eberl-Ruf vom Institut für Musik konnten sie die MLU überreden, den Nachlass zu erwerben. "Wir konnten aber nicht ahnen, welchen sensationellen Fund wir dabei machen", so Eberl-Ruf. Und schon kurze Zeit später ließ eine erste Durchsicht Stephan Blaut stutzig werden. Er stieß auf ein ihm unbekanntes Werk von Johann Sebastian Bach, die Recherchen begannen. Nun ist klar: bei der Abschrift von Rust aus dem Jahr 1877 handelt es sich um eine Fantasie über den Choral "Wo Gott der Herr nicht bei uns hält". Bislang waren von der Komposition davon nur die ersten fünf Takte bekannt. Im Bach-Werkeverzeichnis (1950, 21990) wird es unter der Nummer "Anhang II 71" als Werk zweifelhafter Echtheit geführt. In dem von Reinmar Emans 1997 herausgegebenen Thematischen Katalog mit J. S. Bachs Orgelchorälen zweifelhafter Echtheit sind die ersten drei Takte von BWV Anh. II 71 abgedruckt unter dem Hinweis "Quellen nicht nachgewiesen".
Nach eingehendem Studium der Musik, der Ermittlung der Provenienz der Quelle, die Rust als Vorlage gedient hatte, und konsultierender Beratung mit Prof. Dr. Hans-Joachim Schulze und Dr. Peter Wollny vom Bach-Archiv Leipzig konnte die Komposition zweifelsfrei als Werk Johann Sebastian Bachs bestimmt werden. Bislang kannte man von Bach nur die Choralfantasie "Christ lag in Todesbanden" (BWV 718). Beide Fantasien weisen deutliche Merkmale der norddeutschen Choralfantasie auf, die durch Dietrich Buxtehude ihre stärkste Prägung erfahren hatte. gar von einem "Schwesternwerk" war die Rede. Aufgrund stilistischer Eigentümlichkeiten kann die Entstehung von BWV 718 und Anhang II 71 in die Zeit 1705-1710 datiert werden, vermutlich hängt sie eng mit Bachs Besuch im Lübeck bei Dietrich Buxtehude zusammen. Die Spur des Originals verliert sich unterdessen in Königsberg.
Entsprechend groß ist die Freude über den Sensationsfund auch an der halleschen Universität. "Die Entdeckung bereichert unser Wissen um das Frühwerk Johann Sebastian Bachs in beträchtlichem Maße und schenkt der Musikwelt eine großartige Komposition in einer in Bachs Oeuvre seltenen Gattung der Orgelmusik", sagt Prof. Dr. Wolfgang Hirschmann vom Institut für Musik der MLU. "Aufgrund seiner Dimensionen und seiner beeindruckenden kompositorischen Gestaltung wird der Fund sicher mit Freude Aufnahme sowohl bei der Fachwelt als auch bei den Liebhabern der Musik Bachs finden", ergänzt Stephan Blaut. "Ich kann unsere Musikwissenschaftler zu diesem Fund nur herzlich beglückwünschen", sagt Uni-Rektor Prof. Dr. Wulf Diepenbrock. "Zusammen mit der Universitäts- und Landesbibliothek haben sie Beachtliches geleistet."
Wilhelm Rust (1822-1892) war Musiklehrer, Komponist und Organist (ab 1880 Thomaskantor in Leipzig). Verdienste erwarb er sich als Herausgeber von 26 Bänden der ersten Gesamtausgabe der Werke Johann Sebastian Bachs, für die er seit 1858 hauptverantwortlich war. Neben dem Sensationsfund enthält der von der Uni erworbene Teilnachlass unter anderem Abschriften Bachscher Musik, kompositorische Arbeiten von Rust und Konzertbesprechungen. Auch das von Ruf erworbene Diplom aus Italien befindet sich im Nachlass. Alle Rechte an dem jetzt gefundenen Werk liegen nach Angaben der Universität bei der Universitäts- und Landesbibliothek Halle. Zum ersten Mal erklang das Werk öffentlich am Dienstagmittag im Händel-Haus in Halle.
Nach eingehendem Studium der Musik, der Ermittlung der Provenienz der Quelle, die Rust als Vorlage gedient hatte, und konsultierender Beratung mit Prof. Dr. Hans-Joachim Schulze und Dr. Peter Wollny vom Bach-Archiv Leipzig konnte die Komposition zweifelsfrei als Werk Johann Sebastian Bachs bestimmt werden. Bislang kannte man von Bach nur die Choralfantasie "Christ lag in Todesbanden" (BWV 718). Beide Fantasien weisen deutliche Merkmale der norddeutschen Choralfantasie auf, die durch Dietrich Buxtehude ihre stärkste Prägung erfahren hatte. gar von einem "Schwesternwerk" war die Rede. Aufgrund stilistischer Eigentümlichkeiten kann die Entstehung von BWV 718 und Anhang II 71 in die Zeit 1705-1710 datiert werden, vermutlich hängt sie eng mit Bachs Besuch im Lübeck bei Dietrich Buxtehude zusammen. Die Spur des Originals verliert sich unterdessen in Königsberg.
Entsprechend groß ist die Freude über den Sensationsfund auch an der halleschen Universität. "Die Entdeckung bereichert unser Wissen um das Frühwerk Johann Sebastian Bachs in beträchtlichem Maße und schenkt der Musikwelt eine großartige Komposition in einer in Bachs Oeuvre seltenen Gattung der Orgelmusik", sagt Prof. Dr. Wolfgang Hirschmann vom Institut für Musik der MLU. "Aufgrund seiner Dimensionen und seiner beeindruckenden kompositorischen Gestaltung wird der Fund sicher mit Freude Aufnahme sowohl bei der Fachwelt als auch bei den Liebhabern der Musik Bachs finden", ergänzt Stephan Blaut. "Ich kann unsere Musikwissenschaftler zu diesem Fund nur herzlich beglückwünschen", sagt Uni-Rektor Prof. Dr. Wulf Diepenbrock. "Zusammen mit der Universitäts- und Landesbibliothek haben sie Beachtliches geleistet."
Wilhelm Rust (1822-1892) war Musiklehrer, Komponist und Organist (ab 1880 Thomaskantor in Leipzig). Verdienste erwarb er sich als Herausgeber von 26 Bänden der ersten Gesamtausgabe der Werke Johann Sebastian Bachs, für die er seit 1858 hauptverantwortlich war. Neben dem Sensationsfund enthält der von der Uni erworbene Teilnachlass unter anderem Abschriften Bachscher Musik, kompositorische Arbeiten von Rust und Konzertbesprechungen. Auch das von Ruf erworbene Diplom aus Italien befindet sich im Nachlass. Alle Rechte an dem jetzt gefundenen Werk liegen nach Angaben der Universität bei der Universitäts- und Landesbibliothek Halle. Zum ersten Mal erklang das Werk öffentlich am Dienstagmittag im Händel-Haus in Halle.
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