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Mittwoch, 16. Mai 2012
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Halle (Saale), 05.07.2008 16:00 | steffen |

7. Lange Nacht der Wissenschaften in Halle (Saale)

Bananen-DNA aus Spülmittel und Zitronensäure

Halleforum.de / Halle Saale
(ens/sts/tov) Die 7. Lange Nacht der Wissenschaften in Halle (Saale) war ein voller Erfolg. Nach Angaben der Veranstalter pilgerten rund 20
(ens/sts/tov) Die 7. Lange Nacht der Wissenschaften in Halle (Saale) war ein voller Erfolg. Nach Angaben der Veranstalter pilgerten rund 20.000 Besucher zu den über 350 Veranstaltungen, zu denen die 93 teilnehmenden Einrichtungen eingeladen hatten Neben den Fakultäten und Instituten der Universität beteiligten sich auch 20 außeruniversitäre Einrichtungen an der Wissenschaftsnacht. Der Startschuss fiel um 18 Uhr auf dem Uniplatz mit Rektor Wulf Diepenbrock und Wirtschaftsminister Reiner Haseloff. Diepenbrock lobte den "schönsten Universitätsplatz Deutschlands". Nur die Ausschilderung fehle. Haseloff lobt die Wissenschaftslandschaft in Halle, doch Sachsen-Anhalt brauche noch mehr gute Wissenschaftler, darum sei die Lange Nacht der Wissenschaften gut um potenzielle Studenten zu begeistern.

Institut für Biochemie und Biotechnologie
Forschung und Experimente zum Anfassen gab es im Institut für Biochemie und Biotechnologie auf dem Weinbergcampus. Mit Natriumcitrat (dem Salz der Zitronensäure), Spülmittel und eisgekühltem Alkohol wurde hier beispielsweise die DNA einer Banane sichtbar gemacht. Selbst für die Forscher eine Premiere. "Wir probieren das heute zum ersten Mal", gestanden die Beiden. In einem weiteren Raum erfuhren Besucher, warum es heute keine Pillen mehr gibt und stattdessen auf andere Arzneimittel, zum Beispiel Tabletten, gesetzt wird. So bieten Pillen eine zu ungenaue Dosierungsmöglichkeit und setzen Wirkstoffe zu ungenau und unsicher frei. Auch die Herstellung von Tabletten mit ihrem Überzug wurde gezeigt, aber anhand eines süßen Beispiels. Geröstete Haselnüsse wurden mit einer Zuckermischung und Kuvertüre überzogen.

Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein
Auch die Burg war in diesem Jahr wieder mit dabei und stellte mehrere Projekte teil. In der Villa am Neuwerk hatten Studierende und Absolventen die Möglichkeit ihre Arbeiten und Entwicklungen vorzustellen. Besonders begehrt waren neben dem preisgekrönten "nemus concept.bike" auch das Experimentalfahrzeug "zero8". Ebenso interessiert betrachteten die Besucher die Objekte aus Naturfaserverbund vom "mehrwerkdesignlabor". Diese Verbunde lassen neue Möbel und Gebrauchsgegenstände zu, wie die ausgestellten Sessel bewiesen. Aber auch Mode und Virtuelle Realitäten konnten entdeckt werden.

Am Kirchtor fand ein besonderes Projekt statt. Sieben Studenten haben im Rahmen eines Semesters "Spiel- und Lernmitteldesign" mehrere Spiele für Erwachsene neu entwickelt. Am Freitagabend präsentierten sie das dritte Projekt. Eine stark abgewandelte Form von "Himmel und Hölle" lud die Besucher zum Mitmachen, zum Erleben ein.

Fachbereich Biologie, Botanischer Garten
Wer einen idyllischen Abend verbringen wollte, der war im Botanischen Garten gut aufgehoben. Mehrere Führungen luden zu Rundgängen durch den Garten und die Gewächshäuser ein. Im Gebäude war es möglich DNA zu extrahieren oder unter Anleitung Pflanzen zu bestimmen. Wer einen Ausflug in längst verlorenes Wissen erleben wollte, der war bei Prof. Dr. Helge Bruelheide gut aufgehoben. Er versuchte den Anwesenden die Methode der "Messung der Photosynthese bei Mondschein" nahe zu bringen. Nicht nur das er die Photosynthese erläuterte und erklärte, warum man in der Nacht keine Pflanzen in Krankenhäusern findet, er wurde auch selbst überrascht. Um die Vorgänge während der Photosynthese zu erläutern, demonstrierte er, wie sich Pflanzen bei verschiedensten Lichtverhältnissen verhalten. Als die Pflanze mehr Kohlendioxid als Sauerstoff abgab, überraschte eine Besucherin Prof. Dr. Bruelheide, dies sei die Dunkelatmung. Dunkelatmung bezeichnet das Verhalten der Pflanze, wenn es keinen Lichteinfall gibt. An dieser Stelle konnte man also auch noch was lernen oder auffrischen.

Informatik: Mühleprogramme schlagen sich nicht
Es sollte einer der Highlights sein: zwei Mühleprogramme treten gegeneinander an und spielen gegeneinander. So weit die Theorie. Das Spiel begann munter, beide "Spieler" führten ihre Züge aus, nahmen dem anderen Spieler Steine ab. Aber ab einem gewissen Zeitpunkt schien das Spiel zu verharren, beide Programme hatten denselben Algorithmus und wiederholten Züge nur noch. Es gab keinen Sieger. Eines konnte man sehen, Computertechnik ist in der Logik schneller, aber wenn es um sinnvolle Spielzüge geht, ist der Mensch immer noch überlegen.

Aber auch sonst hatte die Informatik einiges zu bieten. Das ein Computer nicht nur der meist graue Kasten unterm Schreibtisch ist, wurde den Besuchern klar als sie einen Parallelrechner mit 64 Prozessoren bestaunten. Aber auch die Funktionsweise dieser Maschinen wurde erläutert. Und wer wollte konnte erfahren, wie ein "EnAS Demonstrator" funktioniert. Das Gerät besteht aus zwei identischen Teilanlagen, die um 180° zueinander gedreht angeordnet sind. Dadurch entsteht aus Förderbändern ein Kreislauf, der es ermöglicht, auf dem Förderband befindliche Paletten zyklisch im Uhrzeigersinn vom linken Kombiarm über den zugehörigen Greifer zu einem rechten Kombiarm zu transportieren und wieder über den rechten Greifer zurück zur Ausgangsposition. Während der eine Teil der Anlage drahtgebunden arbeitet, arbeitet der zweite Teil drahtlos. Die Steuerung dieses Demonstrators wurde an der MLU entwickelt.

Mathe mit dem Hosentaschenrechner
Während viele Besucher bereits durch die Institute zogen, bekam man die Möglichkeit auf dem Uniplatz eine Einführung in die Zauberei mit der Mathematik zu bekommen. Sei es das Erraten einer Zahl bis 30 oder aber die schier unglaubliche Aufgabe durch eine Postkarte hindurchzugehen. Die zahlreichen anwesenden kleinen und großen Besucher waren mehrmals erstaunt. Besonders kurios wurde aber beim Hosentaschenrechner. Diese Form der Aufgabenlösung ermöglicht es, das kleine "1 mal 5" nur mit den Händen zu lösen. Durch das Anwinkeln von Fingern, etwas Kopfrechnen wurde so spielerisch und schnell eine Aufgabe wie 9 mal 7 gelöst.

Wahl im Zentrum für USA-Studien
Und auch eine Wahl stand an. Politische Wirkung dürfte sie wohl nicht haben, doch die Hallenser würden zur Präsidentschaftswahl in den USA ihre Stimme Barack Obama geben, 2 Prozent entfielen auf John McCain und 7 Prozent auf Ralph Nader. Fünf Wähler machten Alternativvorschläge, die mehr (Hillary Clinton Clinton) oder weniger (Miss Piggy) ernst gemeint waren. 1 Stimme war ungültig.

Händelhaus-Karree
"Sex sells oder: Beethovens besondere Beziehung zu Lebensmittelkonserven." Der Titel der Veranstaltung im Institut für Musik hatte es in sich. In einem Vortrag wurde über eine Studie an Schulen berichtet. Herausgefunden werden sollte dabei, wie man Jugendliche für klassische Musik begeistern kann. Da gibt es aufwendige Musikvideos wie bei Popgrößen, Crossover-Coverversionen, Kurzfilme oder Werbefilme. Der Zeichentrickfilm "Allegro non troppo" von Bruno Bozzetto, er hat dabei unter anderem Werke von Dvorak und Vivaldi verarbeitet, tat es vielen Jugendlichen an. Noch mehr die Zustimmung zu einem Werbespot eines großen Supermarktes, der mit der Mondschein-Sonate für einen Hühnernudeltopf wirbt. Und eine vorgelesene Biografie belegte Platz eins. Man muss sie halt nur interessant aufbereiten. Um die Ecke zeigte zeitgleich das Händelhaus mit Däumelinchen Puppentheater für die Kleinen.

Was gab es sonst noch?
Im Max-Planck-Institut auf dem Weinberg Campus konnten Besucher sehen, wie mit einem Laser Muster in Metall geschnitten wurden und wie mit einem Laser Werkstoffe vermessen werden. Neben 5 Mechanikern sind in der Werkstatt des Instituts auch zwei Lehrlinge angestellt. Doch über das Niveau der Bewerber ist man alles andere als erfreut. Von 30 Bewerbern falle die Hälfte wegen des Notendurchschnitts schon aus dem Raster. Im Institut für Geowissenschaften konnten Besucher den Gesteinsgarten entdecken oder bei der Bestimmung von Gesteinssorten zuschauen. Jede Menge Vorträge bot das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung UFZ. Im Fraunhofer-Institut konnte man sich die Entwicklung von Solarmodulen anschauen oder sich in 3D vermessen lassen.

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