Donnerstag, 17. Mai 2012
Halle (Saale), 27.05.2009 04:00 | eseppelt |
Mehrspartenhaus
Kultur GmbH und die kumulative Radikalisierung
(ens) Es knackt kräftig im Gebälk des neuen Mehrspartenhauses „Theater, Oper und Orchester GmbH Halle“, in dem seit Jahresanfang die städtischen Kultureinrichtungen Thalia Theater, Kulturinsel, Staatskapelle und Opernhaus zusammengefasst sind. Doch was politisch gewollt und deshalb zusammengebracht wird, muss nicht unbedingt auch funktionieren. Denn nur ungern wollen die Intendanten - eigentlich nur noch künstlerische Leiter - der einzelnen Häuser Macht abgeben. Und so entbrennt im Mehrspartenhaus ein Machtkampf um die Spielstätten.
Höhepunkt nun: ein Brief von Thalia-Intendantin Annegret Hahn an den Aufsichtsrat des neuen Mehrspartenhauses. Darin äußert Hahn ihre „Sorge, dass die Arbeit des Thalia Theaters, die in den letzten Jahren stattgefunden hat, systematisch zerstört werden kann“, und nimmt dabei Bezug auf eine Unterredung mit dem Künstlerischen Betriebsdirektor Ulrich Katzer über ein geplantes neues Abo-System am Thalia. Zu niedrig seien diese, bemerkte Katzer laut Sitzungsprotokoll. „Das sind ja sensationelle Preis, die eigentlich nicht gehen. Aber das ist ja auch ein Grundproblem der Stadt, dass man nirgends vernünftige Eintrittspreise bezahlt.“ Das Thalia solle künftig seine Prioritäten auf das Schulabo legen. Außerdem schlägt Katzer eine Reduzierung der Vorstellungen vor.
Das mag bei einem Freund des Thalia Theaters schon das Herz bluten lassen. Doch der Grund von Hahns Protest ist ein anderer, will Katzer doch nach dem Prinzip der „kumulativen Radikalisierung“ verfahren. „Dieser Begriff wird ausschließlich von Historikern in Verbindung mit dem Nationalsozialismus angewandt und umschreibt den Prozess bis zur konsequenten Ausrottung der Juden ab 1933“, beschwert sich Hahn in ihrem Schreiben an den Aufsichtsrat.
Nachgefragt hat Hahn unterdessen auch im Institut für Geschichte der MLU. Ergebnis: „kumulative Radikalisierung“ lasse in keinster Weise eine Verharmlosung zu. Und dann kommt Hahn zu ihrem Vorwurf: „Antisemitische Äußerungen wie diese von Herrn Katzer, kann ich nicht dulden.“ Sie sei schockiert und verletzt „über diese eigene Gleichsetzung mit einer unvergleichlichen Gräueltat, die in der Geschichte der Neuzeit beispiellos ist.“
Und Hahns Vorwürfe gehen weiter, da wird das August-Bebel-Zitat „Antisemitismus ist der Antikapitalismus der Dummen“, schreibt die Intendantin weiter. „Da ich Herrn Katzer nicht für einen dummen Menschen halte, muss ich davon ausgehen, dass seine Bemerkung wohl gesetzt ist.“ Katzer spiele sich als „Herrenmensch“ auf und sehe im Thalia Theater die Untermenschen und die mindere Theatermasse.
Als letztere fühlen sich die Thalia-Mitarbeiter im neuen Konstrukt des Mehrspartenhauses. So wurde die Theaterpädagogik abgezogen - dabei ist diese doch gerade an einem Kinder- und Jugendtheater, das sich auch an Schülergruppen wendet, besonders wichtig. Auch Technik wurde bereits abtransportiert und so ist hinter vorgehaltener Hand bereits davon die Rede, dass es dem Thalia über kurz oder lang an den Kragen gehen wird. Einige Stadträte sehen das Ende des Kinder- und Jugendtheaters am liebsten so schnell wie möglich, Vorschläge wurden bereits im Kulturausschuss zur Gründung des Mehrspartenhauses diskutiert.
Und so hat Gründungsgeschäftsführer Rolf Stiska wieder mal einige Arbeit vor sich. Die Gründung des Mehrspartenhauses ist über die Bühne gegangen, der Haustarifvertrag mit der Staatskapelle unter Dach und Fach. Und Ruhe schien auch mit der Vertragsunterzeichnung von Annegret Hahn einzukehren - monatelang hatte sie sich geweigert, den Betriebsübergang von der Stadt in das neue Konstrukt der GmbH mitzumachen. Vor einem Monat dann die Wendung. Doch das war wohl nur die Ruhe vor dem Sturm …
Höhepunkt nun: ein Brief von Thalia-Intendantin Annegret Hahn an den Aufsichtsrat des neuen Mehrspartenhauses. Darin äußert Hahn ihre „Sorge, dass die Arbeit des Thalia Theaters, die in den letzten Jahren stattgefunden hat, systematisch zerstört werden kann“, und nimmt dabei Bezug auf eine Unterredung mit dem Künstlerischen Betriebsdirektor Ulrich Katzer über ein geplantes neues Abo-System am Thalia. Zu niedrig seien diese, bemerkte Katzer laut Sitzungsprotokoll. „Das sind ja sensationelle Preis, die eigentlich nicht gehen. Aber das ist ja auch ein Grundproblem der Stadt, dass man nirgends vernünftige Eintrittspreise bezahlt.“ Das Thalia solle künftig seine Prioritäten auf das Schulabo legen. Außerdem schlägt Katzer eine Reduzierung der Vorstellungen vor.
Das mag bei einem Freund des Thalia Theaters schon das Herz bluten lassen. Doch der Grund von Hahns Protest ist ein anderer, will Katzer doch nach dem Prinzip der „kumulativen Radikalisierung“ verfahren. „Dieser Begriff wird ausschließlich von Historikern in Verbindung mit dem Nationalsozialismus angewandt und umschreibt den Prozess bis zur konsequenten Ausrottung der Juden ab 1933“, beschwert sich Hahn in ihrem Schreiben an den Aufsichtsrat.
Nachgefragt hat Hahn unterdessen auch im Institut für Geschichte der MLU. Ergebnis: „kumulative Radikalisierung“ lasse in keinster Weise eine Verharmlosung zu. Und dann kommt Hahn zu ihrem Vorwurf: „Antisemitische Äußerungen wie diese von Herrn Katzer, kann ich nicht dulden.“ Sie sei schockiert und verletzt „über diese eigene Gleichsetzung mit einer unvergleichlichen Gräueltat, die in der Geschichte der Neuzeit beispiellos ist.“
Und Hahns Vorwürfe gehen weiter, da wird das August-Bebel-Zitat „Antisemitismus ist der Antikapitalismus der Dummen“, schreibt die Intendantin weiter. „Da ich Herrn Katzer nicht für einen dummen Menschen halte, muss ich davon ausgehen, dass seine Bemerkung wohl gesetzt ist.“ Katzer spiele sich als „Herrenmensch“ auf und sehe im Thalia Theater die Untermenschen und die mindere Theatermasse.
Als letztere fühlen sich die Thalia-Mitarbeiter im neuen Konstrukt des Mehrspartenhauses. So wurde die Theaterpädagogik abgezogen - dabei ist diese doch gerade an einem Kinder- und Jugendtheater, das sich auch an Schülergruppen wendet, besonders wichtig. Auch Technik wurde bereits abtransportiert und so ist hinter vorgehaltener Hand bereits davon die Rede, dass es dem Thalia über kurz oder lang an den Kragen gehen wird. Einige Stadträte sehen das Ende des Kinder- und Jugendtheaters am liebsten so schnell wie möglich, Vorschläge wurden bereits im Kulturausschuss zur Gründung des Mehrspartenhauses diskutiert.
Und so hat Gründungsgeschäftsführer Rolf Stiska wieder mal einige Arbeit vor sich. Die Gründung des Mehrspartenhauses ist über die Bühne gegangen, der Haustarifvertrag mit der Staatskapelle unter Dach und Fach. Und Ruhe schien auch mit der Vertragsunterzeichnung von Annegret Hahn einzukehren - monatelang hatte sie sich geweigert, den Betriebsübergang von der Stadt in das neue Konstrukt der GmbH mitzumachen. Vor einem Monat dann die Wendung. Doch das war wohl nur die Ruhe vor dem Sturm …
Dieser Text ist mir was wert:
Permalink: http://www.halleforum.de/go/21171
weitere aktuelle Nachrichten
2° C
16° C
3° C
12° C
9° C
18° C
Aktuell:
Bewölkt
Temperatur: 7° C
Luftfeuchtigkeit: 76 %
Wind: W mit 19 km/h
05:14
21:03
Bewölkt
Temperatur: 7° C
Luftfeuchtigkeit: 76 %
Wind: W mit 19 km/h
Leserfavoriten
1
Post am Bahnhof macht dicht
16.05.2012 | Aktuelles
2
Kohlschütter Straße: Stadt verteidigt Parkregime
15.05.2012 | Aktuelles
3
Europaweite Ausschreibung für neue S-Bahn-Verbindungen um Halle
15.05.2012 | Aktuelles
4
Halles Sozialkaufhäuser brauchen Unterstützung
16.05.2012 | Vermischtes
5
Bildhauer Beberniß ist tot
16.05.2012 | Kultur
Letzte Einträge in den Blogs
Aus Steins Stube1 Kommentar
RIP seid 1 Jahr bist du fort an einen anderen Ort ♥
0 Kommentare
Althallische Originale
0 Kommentare
Gut achten
6 Kommentare
Abtreibung!
3 Kommentare
Neuen Beitrag verfassen





